25.03.2026 Kosten für Seilbahn steigen drastisch – BBB: Planungen für Nahverkehrsprojekt einstellen

Kalkulierte die Stadt Bonn die Kosten für den Bau einer 4,3 km langen Seilbahn zwischen Ramersdorf und dem Venusberg mit 34 Stützen im Jahre 2019 noch auf 66 Mio. EUR (netto) sind es laut aktueller Verlautbarung der Stadt für einen auf 3,8 km gekürzten Fahrweg mit 22 Stützen schon 155 Mio. EUR (netto). Der dramatische Anstieg der Baukosten für die Seilbahn, die einmal 15.000 Fahrgäste pro Tag in knapp 14 Minuten vom Beueler Schießbergweg zur Uniklinik und umgekehrt befördern soll, beunruhigt bei der Stadt Bonn indes niemanden. Der Oberbürgermeister und seine Mitarbeiter gehen davon aus, dass das Bonner Verkehrsprojekt nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz großzügig gefördert wird und bei der Stadt nur ein Eigenanteil von 17,6 Mio. EUR (netto) an dem Herstellungspreis verbleibt.

Anders sieht es allerdings bei den Betriebs- und Wartungskosten sowie dem Kapitaldienst für den Eigenanteil aus. Hierfür müssten die Bonner nun – statt den in 2019 prognostizierten 2,1 Mio. EUR –  ca. 5,2 Mio. EUR jährlich aufbringen. Nicht eingerechnet in der Summe sind die anzusetzenden Kosten für den jährlichen Werteverzehr, der nach überschläglicher Schätzung des BBB bei einer linearen Abschreibung auf 30 Jahre mit ca. 6 Mio. EUR p.a. anzusetzen wäre. Wo die so zu berücksichtigen jährlichen Aufwendungen im Bonner ÖPNV bzw. im notorisch klammen Haushalt der Stadt künftig eingespart werden sollen, verrät die Stadt nicht. Statt die Finanzierungsfrage zu klären, will sie die Planungen in der Hoffnung auf ein haushalterisches Wunder bis zur Baureife finalisieren. Erklärtes Ziel der Stadtverwaltung ist es, die nach einer Forsa-Umfrage* aus dem Jahre 2022 von 54 % der Bonner Bürgerschaft abgelehnte Seilbahn als Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs ab 2032 zwischen Beuel und dem Universitätsklinikum verkehren zu lassen.

Dazu sagt BBB-Fraktionsvorsitzender Johannes Schott: „Es ist gerade mal 6 Wochen her, dass Oberbürgermeister Guido Déus mit Blick auf die prekäre Haushaltslage Einschnitte beim ÖPNV ankündigte und bei den Stadtwerken als Dienstleister für Bus und Bahn einforderte, diese müssten künftig jährlich 34 Millionen Euro einsparen. Wenn der Oberbürgermeister die ökonomisch und ökologisch weiter umstrittene Seilbahn wirklich als ein strategisches Leuchtturmprojekt für die Bonner Nahverkehrsplanung will, muss er auch sagen, wie er das insbesondere mit Blick auf die langfristigen jährlichen Betriebskosten bezahlen will. Was nützen die schönsten Pläne, wenn sie am Ende wegen Geldmangels Jahrzehnte in der Schublade liegen und durch Zeitablauf unbrauchbar geworden sind? Angesichts der weiter gegebenen hohen rechtlichen Risiken für die Genehmigung, u.a. durch Anwohnerklagen , und der galoppierenden Bau- und Betriebskosten sowie der ungewissen Finanzierung der Seilbahn, fordern wir einen Planungsstopp.“

*Ergebnis der Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Bonner General-Anzeigers und Radio/Bonn-Rhein-Sieg aus dem Jahr 2022 zur Frage, ob Bonn das Verkehrsinfrastrukturprojekt Seilbahn braucht:

JA:                44 %

NEIN:            54 %

„Weiß nicht“:  2%