Am 29. Juni 2026 haben Oberbürgermeister Guido Déus, Kämmerer Michael Fark und die für Sport zuständige Beigeordnete Birgit Schneider-Bönninger ihr neues Bäderkonzept für Bonn vorgestellt. Der Plan sieht massive Veränderungen in der bestehenden städtischen Bäderlandschaft vor. Unter dem Deckmantel von Einsparungen im städtischen Haushalt sollen das Melbbad aufgegeben, die Beueler Bütt und das Frankenbad mittelfristig geschlossen und das Friesdorfer wie das Rüngsdorfer Freibad privatisiert werden. Nach Sanierung des Hardbergbades und des exklusiv an den SSF überlassenen Bades im Sportpark Nord ist geplant, beide in bisheriger Form weiterzubetreiben. Aus Römerbad und Ennertbad sollen Kombibäder werden.
Neben der aus Sicht der Verwaltung nicht zu stemmenden baulichen Finanzierung der vorhandenen Bäder, allein die Erneuerung von Melbbad und Frankenbad wird auf mindestens 97 Mio. Euro taxiert, werden insbesondere die Betriebskosten als Grund für den geplanten Wegfall von drei Bädern benannt. Ein weiteres Problem ist laut Verwaltung der angebliche Fachkräftemangel, der über die angedachten Betreibermodelle für die Bad Godesberger Freibäder gelöst werden soll. Wie die Schließung eines Freibades, das gerade an Hitzetagen zur Abkühlung der Bevölkerung beitragen kann, eigentlich mit den Erfordernissen einer an den Klimawandel angepassten Stadtplanung vereinbar sein soll, versuchten Déus und seine Beigeordneten gestern erst gar nicht zu erklären.
BBB-Fraktionsvorsitzender Johannes Schott: „Nach der jahrelangen Hinhaltetaktik wurden nun auch den letzten Gutgläubigen aus den Reihen der Vorkämpfer für das Melb- und Frankenbad die Augen über die wahren Pläne der Stadtverwaltung geöffnet. Was OB Déus und die sicher vorher involvierte Ratskooperation hier vorhaben ist insbesondere mit Blick auf den erfolgreichen Bürgerentscheid pro Melbbad eine schäbige Missachtung des Bürgerwillens. Herr Déus, der sich im Wahlkampf für die Wiedereröffnung des Melbbads ausgesprochen hatte, muss sich die Frage gefallen lassen, welche Halbwertszeit seine Versprechen haben und wie er seinen Verrat am Bürgerwilllen begründen will. Ob es Drittbetreibern eher gelingen kann, Bademeister einzustellen, als dies der Stadt Bonn als öffentlicher Arbeitgeber möglich ist, wage ich doch stark zu bezweifeln.“
Dass ein nicht unerheblicher Teil der zur Verfügung stehenden Finanzmittel für Sportstätten ausgerechnet dem nichtöffentlichen Bad im Sportpark Nord zufließen soll, stößt beim BBB ebenso auf Unverständnis wie der aktuelle Beschluss der Ratskooperation, nach dem in diesem Sommer für Kinder und Jugendliche der Eintritt in die Freibäder kostenlos sein soll. Warum der Bonner Steuerzahler für die Nachkommenschaft der Nachbarkommunen oder für die Kinder von wohlhabenden Eltern unterschiedslos aufkommen soll, erschließt sich der BBB-Fraktion nicht.
Schott: „Statt endlich die Sanierung der Bestandsbäder auf den Weg zu bringen, werden dafür dringend benötigte Finanzmittel mit dem Füllhorn ausgeschüttet. Das ist mit Blick auf die Finanzlage der Stadt widersinnig. Wer den Haushalt sanieren will, muss die Spendierhosen ausziehen. Offensichtlich haben die Verantwortlichen den Kompass für die entscheidenden Fragen verloren.“