Der auf dem Gebiete Lannesdorfs liegende „Mehlemer Bahnhof“ ist seit Jahren in einem baulich desolaten Zustand. Er ist nicht behindertengerecht, für die Erfordernisse eines erweiterten S-Bahnbetriebes technisch unzureichend und an Gleis 2 fehlt eine Überdachung. Der bereits seit Anfang des Jahrtausends mit der seinerzeitigen Modernisierungsoffensive der Bahn (MOF) angekündigte barrierefreie Umbau des Bahnhofs Mehlem als auch die später geplante und für einen Baubeginn ab 2025 vorgesehene Errichtung eines zusätzlichen Wechselgleises sowie des korrespondierenden Baus von 4 neuen Bahnsteigkanten an Mittelbahnsteigen* dort lässt bis heute auf sich warten.
Auf Nachfrage der BBB-Fraktion legte der Geschäftsführer des zuständigen Zweckverbandes Go.Rheinland – Dr. Norbert Reinkober – in der letzten Sitzung des Verkehrsausschusses im September 2026 dar, dass es wegen der zeitlich nicht umsetzbaren Planfeststellung/-genehmigung und auf Grund vom Eisenbahnbundesamt nicht bewilligter Fördermittel keine neuen Überdachungen geben werde. Zudem führte er aus, dass die Erweiterung des Bahnhofs um einen weiteren Bahnsteig und ein Wendegleis für die RB48 von der DB InfraGO auf unbestimmte Zeit verschoben wurde**.
Dazu sagt BBB-Fraktionsvorsitzender Johannes Schott:“ Es ist ein Unding, dass das vierte Gleis trotz der in zwei Jahren anstehenden Generalsanierung der linksrheinischen Strecke nicht kommt und die Wende der RB48 weiter im Überholgleis stattfinden muss. Die DB AG bremst so eine dringend notwendige Kapazitätssteigerung beim SPNV aus. Ob der dilettantischen Planung der Bahnverantwortlichen muss man wohl schon dankbar sein, wenn zumindest der Mittelbahnsteig geschlagene 30 Jahre nach dem Hausbahnsteig in 2028 barrierefrei ausgebaut werden soll.“
Dass die Infrastrukturmaßnahmen zur Verbesserung des Betriebsablaufs nicht umgesetzt werden und überdies das Eisenbahnbundesamt keine Fördermittel für die Überdachung des Bahnsteigs an Gleis 2 (Richtung Köln) bewilligt, scheint die zuständigen Landespolitiker ebenso wenig zu scheren wie den Oberbürgermeister. Auch vom bald abgewickelten Aufgabenträger Go.Rheinland war bisher bis auf Schulterzucken keine Reaktion vernehmbar.
Schott: „Der Vorgang zeigt deutlich woran unser ganzes Land krankt. Statt die Generalsanierung der linksrheinischen Eisenbahnstrecke des Bundes zu nutzen, um vor Ort die bauliche und betriebliche Infrastruktur des Bahnhofs zu ertüchtigen, findet nur Stückwerk statt. Deutschland scheint sein ingenieurtechnisches und betriebswirtschaftliches Know-How abhandengekommen zu sein, stattdessen regieren im Bahnkonzern, im zuständigen Landes- und Bundesministerium und im Eisenbahnbundesamt Funktionäre, die von der Materie wohl wenig bis keine Ahnung zu haben scheinen. Von OB Deus hätten wir hingegen erwartet, sich beim Land und Bund sowie der Bahn für den Umbau der Station einzusetzen. Seine Untätigkeit ist enttäuschend.“
*(Vgl. Drucksache 200830-1 ST; MOF 3; u.a. zur Berücksichtigung eines zukünftigen S-Bahn-Ausbaus; z.B. Verlängerung der S 23 bis Bonn-Mehlem)
**Anfrage BBB-Fraktion DS200830-02 und Antworten dazu siehe Niederschrift zur Sitzung des VerkehrsA vom 15. 09.2026, ab Seite 13: